HANF

Hanf (Cannabis Sativa L.) ist eine der ältesten Kulturpflanzen der Menschheitsgeschichte. Bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts wurde Hanf weltweit in vielfältigster Weise genutzt. 1929 begann die Prohibition, welche heute weitestgehend aufgelöst wird. Der Hanf erfährt weltweit eine verdiente Renaissance und wird in über 50.000 Produkten verarbeitet.

Aufgrund des breiten Wirkungsspektrum ist Cannabis sehr vielseitig einsetzbar:
Beispielsweise in der Onkologie, Schmerztherapie, Asthma, Tinnitus, Grüner Star, Epilepsie, Alzheimer, entzündliche Darmerkrankungen u.v.m.

Cannabis bietet durch seine Cannabinoide überaus vielfältig Anwendungsmöglichkeiten in der Medizin. Die medizinische Verwendung der Pflanze ist mindestens 4500 Jahre alt. Die alten Chinesen nutzen Cannabis u. a. gegen Malaria, Rheuma und bei Entzündungen. Der Leibarzt des römischen Kaisers Nero verordnete Cannabis als Schmerz- und Beruhigungsmittel. Hildegard von Bingen (1098-1179), Martin Luther (1483-1546), die englische Königin Viktoria (1819-1901) – die Liste der Medizinalhanf- Konsumenten ließe sich endlos fortsetzen. Obwohl Cannabis noch 1937 bei über 100 Krankheitsbildern verschrieben wurde, strich man ihn 1941 von der Medikamentenliste.

Die medizinische Verwendung von Cannabis verschwand in den Kriegsjahren fast völlig, die Forschung an einer der ältesten Arzneipflanzen des Menschen wurde im Hintergrund aber fortgesetzt. Die moderne Cannabis-Forschung beginnt mit der Isolierung des wichtigsten psychotropen Wirkstoffes Delta-9-THC im Jahre 1964 durch Forscher der Universität von Jerusalem. THC wirkt muskelentspannend, anti-epileptisch, stimmungsaufhellend, brechreizhemmend, appetitsteigernd, leicht verstopfend, augeninnendrucksenkend, bronchienerweiternd, beruhigend, schmerzhemmend, schlaffördernd, juckreizstillend, entzündungshemmend, antibiotisch, gefäßerweiternd, gerinnungshemmend und fiebersenkend.

In den vergangenen Jahrzehnten sind über 60 Cannabinoide isoliert und beschrieben worden. Längst sind nicht alle ihrer Wirkungen erforscht, doch scheint das medizinische Potential von Hanf noch viel größer als bisher angenommen. Marinol und Dronabinol (synthetisches THC) sind etwa 30 bis 50 Mal teurer als das THC in natürlichen Cannabisprodukten und seine Wirkung nachweislich schlechter als die natürlichen THC-s. Deshalb weigerten sich viele Krankenkassen die Marinol-Behandlung zu zahlen.
Seit dem 10.März 2017 sind die deutschen Krankenkassen gesetzlich verpflichtet die Kosten von natürlichen Cannabisprodukten zu übernehmen.

Medizin: Wie Cannabis hilft – Wem Cannabis helfen kann
Aufgrund seines vielfältigen Wirkungsspektrums sind auch die Diagnosen bei denen Cannabis als Therapie in Frage kommt weit gefächert:
Es wurden sehr wirkungsvolle Ergebnisse in der direkten Behandlung gegen Krebszellen erzielt. Krebs- und Aids-Patientinnen hilft Cannabis gegen Übelkeit und Erbrechen. Zudem steigert Cannabis den Appetit und bremst so die krankheitstypische Auszehrung der Patienten.
Epileptiker und Spastiker ziehen ihren Nutzen aus den antiepileptischen Eigenschaften der Cannabisharze, auch beim Tourette – Syndrom und ähnlichen Erkrankungen werden die positiven Therapieergebnisse auf die Wirkung von THC zurückgeführt.
Patienten mit Glaukom (grüner Star) hilft Cannabis indem es den Augeninnendruck senkt. Vielfach wird eine drohende Erblindung dadurch verzögert oder gar verhindert.
THC lindert asthmatische Krämpfe indem es die Bronchien erweitert. Dank seiner entzündungshemmenden Eigenschaften unterstützt Cannabis die Heilung von Lungenentzündung und anderen Atemwegskrankheiten. Allerdings steht das Rauchen von Cannabis unter dem Verdacht das Risiko von Krebserkrankungen zu steigern. Die Verwendung eines Vaporizers (Dampf- Inhalators) senkt diese Gefahr jedoch.

Hanf wirkt auch in geringen Dosen sehr gut bei neuropathischen Schmerzen wie Migräne, Arthritis, Menstruationsschmerzen oder degenerative Erkrankungen des Bewegungsapparates.
Die stimmungsaufhellende Wirkung von Cannabis verhalf ihm, zu einem festen Platz im Therapiespektrum bei reaktiver und neurotischer Depression. Darüber hinaus berichten Patienten von positiven Effekten bei so unterschiedlichen Erkrankungen wie Allergien, Juckreiz, Schluckauf, Tinnitus oder Darmreizungen.

Hanffasern werden für die Pressung von Innenauskleidung und die Fertigung von gegossenen Armaturen eingesetzt. Lotus vertraut bei der Karosserie seines Sportcars ECO ELISE auf einen Hanf-Verbundstoff. Zudem überzeugt Hanf durch das geringe Gewicht und den hohen Sicherheitseffekt.

“Why use up the forests which were centuries in the making and the mines which required ages to lay down, if we can get the equivalent of forest and mineral products in the annual growth of the hemp fields?” (Henry Ford)

Der Automobilpionier Henry Ford beließ es nicht bei Worten und präsentierte der Welt 1941 sein “HempCar”. Dieses Auto war zu großen Teilen aus Hanf gefertigt und hatte einen Motor der Hanfkraftstoff verbrannte.

Zurzeit wird Hanf beim Automobilbau im Wesentlichen für Formpressteile verwendet. Tür- und Kofferraumauskleidungen, Armaturenbretter, die oft in Spritzgussverfahren hergestellten Teile erschließen immer neue Bereiche. Da die europäische Hanfwirtschaft nur über vergleichsweise geringe Produktionskapazitäten verfügt, konnte der Bedarf der Automobilindustrie bisher nicht durch Hanf gedeckt werden. Allein bei den derzeit möglichen 5 bis 10 kg Naturfasern pro Automobil ergibt sich, bei 16 Mio. produzierten Fahrzeugen in Westeuropa, ein Marktpotenzial von 80.000 – 160.000 t/Jahr an Naturfasern nur für Formpressteile.

Unter den Naturfasern empfiehlt sich der Hanf. Hersteller und Verbraucher ziehen ihren Nutzen aus seiner natürlichen Fugazität und der relativ schlechten Entflammbarkeit. Da bei Formpressteilen aus Hanf die Kanten der Bruchstellen nicht scharf sind, ist die Schnittverletzungsgefahr bei Unfällen deutlich niedriger. Ihr Gewicht ist geringer als das der Formpressteile aus Holzfasern. Es ist leichter, komplexe Bauelemente in einem Arbeitsgang zu erzeugen, was die Produktionskosten senkt.

Hanfanbau trägt so zur Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Automobilbauer und damit zum Erhalt der Arbeitsplätze in der mitarbeiterreichsten Branche Deutschlands bei.

Hanf besticht durch Top Eigenschaften bei der Hausdämmung, der Nachhaltigkeit und hat als einziger Dämmstoff das EU Prädikat „Naturplus“ verliehen bekommen. Hanfbacksteine, Betonveredelung, geringe Energiekosten bei der Produktion und eine umweltfreundliche Entsorgung, machen das Produkt besonders attraktiv. Hier werden weiterhin Wachstumsraten weit über dem Marktdurchschnitt erwartet.

Wer heutzutage baut hat die Wahl zwischen unzähligen Produkten aus unterschiedlichsten Materialien. Aber nur ein Produkt hat von der EU das Prädikat “Naturplus” verliehen bekommen – Thermohanf.

Hanf ist aus der Baubranche nicht mehr wegzudenken. Schon früh schätzten die Menschen die hohe Reißfestigkeit seiner Faser und die geringe Feuchtigkeitsaufnahme der Schäben. Aus den Fasern wird eine Vielzahl von Dämmstoffen gefertigt. Die Schäben können als Schüttdämmung verwendet oder bei der Produktion von Leichtbauplatten eingesetzt werden. Durch den Zusatz von Hanffasern kann zudem die Knick-Festigkeit von Beton erhöht werden – ein Verfahren, das schon bei mittelalterlichen Lehmbauten verwendet wurde. Aus Hanffasern gefertigte “verdichtete Baudämmplatten” bieten Schall- und Trittschutz ohne Schädlingsbefall.

Zusätzliche Pluspunkte: Bei der Herstellung dieser Produkte aus Hanf wird nur wenig Energie benötigt. Aus der Nutzpflanze gefertigte Baustoffe können ohne Probleme für die Umwelt entsorgt werden, da sie deutlich weniger Schadstoffe enthalten, als vergleichbare Produkte ohne Hanfanteil.

Im Jahr 2001 gingen bereits ca. 6,5% der Hanffasern und 8% der Hanfschäben in die Bauindustrie. Dies erscheint wenig, aber alle Fachinstitute sehen im Baubereich ein großes Wachstumspotenzial für Hanfanwendungen. Sinkende Produktionskosten und steigendes Know-how der Produzenten garantieren demnach auch weiterhin Wachstumsraten, die weit über dem Marktdurchschnitt liegen.

Die neueste Innovation ist die Formpressung eines Gemischs aus Hanfschäben und Bindemitteln auf Kalkbasis. Dabei entstehen je nach Form und Druck Baustoffe, die an Holzbalken und Gasbetonsteine erinnern. Ergänzt mit einer atmungsaktiven und feuchtigkeitsabweisenden Hanffaserisolierung ist es nun möglich Häuser zu errichten, die zu mehr als 90% aus Hanf bestehen. Theoretisch könnte man sein neues Haus auf dem eigenen Feld wachsen lassen.
Ein weiterer Vorteil ist das Gewicht der Hanfbacksteine von nur 150kg/mł. Sie sind damit wesentlich leichter als herkömmliche.

Hanf ist besonders interessant in der Gewinnung von Biokunstoff und eine zukunftsorientierte Alternative zu Rohöl. Ebenso für technische Öle, Farben und Tenside.

Seit Beginn der 90er Jahre ist das Interesse der Firmen im chemisch-technischen Bereich an nachwachsenden Rohstoffen ungebrochen. Dieser Trend steigt stetig.
Der derzeit größte Verbraucher von nachwachsenden Rohstoffen in der Chemieindustrie ist die Firma Henkel. Sie stellt aus hochwertigen Ölen biologisch abbaubare Tenside für Reinigungsmittel her.

Hanf wird von Chemieunternehmen auf vielfältige Weise genutzt. Wirtschaftlich besonders interessant sind die Anwendungen in Bio-Kunststoffen, als technisches Öl, in Pflanzenölfarben und als Tensid- Lieferant. Dabei arbeiten die Hersteller nach der Devise “so viel wie technisch möglich ist” und erschließen beinahe täglich neue Anwendungsgebiete.

Neuester Clou ist “Flüssiges Holz”. Arboform, eine Thüringer Entwicklung, ist ein Bio- Kunststoff aus Hanffasern und Lignin (das bei Pflanzen für Verholzung sorgt). Das Material kombiniert die positiven Eigenschaften von Holz und Kunststoff und eignet sich für technisch anspruchsvolle Anwendungen. Die so entstandene Kunststoffalternative ist nicht nur umweltfreundlich, schadstoffarm und biologisch abbaubar. Sie ist auch wirtschaftlich interessant, nutzt sie doch mit Lignin einen Stoff, von dem jährlich 50 Millionen Tonnen als Abfall bei der Papierproduktion entstehen.

Zukunftsträchtig ist der Markt der technischen Öle. Die Produktpalette reicht hier von Bio- Diesel über Schmierstoffe bis zum Straßenbau. Fast alle Anwendungen, die heute noch aus Raps entstehen, könnten in der Zukunft durch Hanf, insbesondere seinen Samen, substituiert werden. Oft ist er den herkömmlichen Ölpflanzen durch seine höhere Wirtschaftlichkeit überlegen. Allein für den Straßenbau könnten – nach der Umstellung auf Hanf- Bio- Bitumen – mindestens 100.000 Hektar Argrarfläche bewirtschaftet werden.

Die Pflanze ist durch ihr eigenes THC besonders gut gegen Pilze und Schädlinge geschützt, hier spart man sich den Einsatz von Chemikalien in Form von Pestiziden. Die Revitalisierung der Agrarflächen – durch Hanf als Zwischenfrucht – ist bei vorhandener Monokultur besonders wertvoll. Hanf ist auch in der Vieh- und Haustierhaltung als Einstreu und Futtermittel im Einsatz.

Hanf ist für die Landwirtschaft in erster Linie als Feldfrucht interessant. Durch den Anbau von Hanfpflanzen konnten in den frühen 90er Jahren viele Bauern ihre Höfe vor dem Ruin retten. Da Raps und Mais mit ca. 3.000,- € pro Hektar von der EU subventioniert wird, krankt die deutsche Hanfwirtschaft an den relativ hohen Kosten einheimischer Landwirtschaftsprodukte. Deshalb weichen Erst- und Weiterverarbeiter zunehmend auf Hanf aus “billigeren Ländern” in Osteuropa oder Asien aus.

Hanf hat einen hohen Vorfruchtwert. Das heißt, er bereitet den Boden, gut auf den Anbau anspruchsvollerer Feldfrüchte vor. So sorgt er für eine gute Unkrautfreiheit und Bodengare. Aufgrund der ausgeprägten Konkurrenzkraft des Hanfes sind normalerweise keine Unkrautbekämpfungsmaßnahmen notwendig. Auch Schädlings- und Pilzbehandlungen können bei Hanf sehr sparsam erfolgen bzw. sind gar nicht nötig. Daher bietet sich Hanf für Landwirte als Zwischenfrucht an.

Für die Viehzucht ist Hanf zweierlei interessant. Zunächst die Nutzung von Hanf als tierisches Futtermittel. Presskuchen, die Reste der Hanfsamen nach der Ölgewinnung, sind z.B. erfolgreich als Kraftfutter für Schweine eingeführt. Ganze Hanfsamen findet man in fast jedem Vogelfutter.

Die Schäben, die bei der Faserproduktion als Reststoff anfallen, sind eine ebenso beliebte, wie geeignetes Tiereinstreu. Ob für Pferde oder Tauben, gepresst als Katzenstreu oder locker als Ersatz für Sägespäne. Hanfschäben zeichnen sich durch ihre hohe Feuchtigkeitsaufnahme, Schädlingsresistenz und gute Kompostierbarkeit aus. Ein weiterer Vorteil: Hanfeinstreu kommt nahezu frei von Giften ins Haus, weil schon beim Anbau viel weniger “gespritzt” werden muss.
Über diese Anwendungsgebiete hinaus existieren vielfältige Nischenmärkte. So werden z.B. in Gefangenschaft lebenden Vögeln Hanffasern als Nistmaterial angeboten.

Aus Hanf werden gesunde Öle mit ungesättigten Fettsäuren gewonnen. Backwaren und Müslis mit Ballastoffen angereichert und er ist ein Lieferant für hochwertige Vegane Proteine. Hanf ist ein natürlicher Geschmacksverstärker, der bspw. in Getränken verwendet wird. Er ist aufgrund seiner sehr guten Nährwerte bereits seit Jahrhunderten ein fester Bestandteil des Speiseplans.

Über viele Jahrhunderte hinweg war Hanf ein weltweit verbreitetes Grundnahrungsmittel. Sein guter Nährwert machte ihn zu DER Pflanze in Zeiten von Hungersnöten: So konnte beispielsweise die Bevölkerung Australiens im 19. Jahrhundert zwei lang andauernde Hungerkatastrophen überleben, indem sie sich von Hanfsamen und -blättern ernährte.

Lebensmittel aus und mit Hanf kann man grob in drei Kategorien unterteilen. Zunächst sind da die Lebensmittel, die essentielle Öle aus Hanf (z.B. Aromastoffe aus den Blättern) zur Geschmacks- und Geruchsverbesserung beinhalten. Unter ihnen finden sich viele Hanf-Getränke.

Die zweite Gruppe Hanflebensmittel entstehen, unter Verwendung des aus den Samen gepressten Hanföls. Hanföl ist besonders reich an den für den menschlichen Organismus lebenswichtigen mehrfach ungesättigten Fettsäuren (ca. 90%). Hier sind besonders die essenziellen Fettsäuren Linolsäure (50-70%) und Alpha- Linolensäure (15-25%) hervorzuheben. Der Clou ist die extrem seltene Gamma- Linolensäure. Durch die Eigenschaft des Hanföls bei Temperaturen bis -15 °C flüssig zu bleiben, eignet es sich hervorragend zur Herstellung von Margarine.

Eine dritte Gruppe von Lebensmittel bilden die Samen der Hanfpflanze. Sie finden roh oder geröstet Verwendung. Speisehanfsamen können in ungeschälter und geschälter Form verzehrt werden. Ein ungeschälter Hanfsamen besitzt aufgrund der spröden Schale einen knackigen Kaueindruck (Biss). Bei manchen Lebensmitteln kann diese Eigenschaft als unangenehm empfunden werden, weshalb eine Schälung zweckmäßig ist, zumal die Schale leicht vermahlen und in zerkleinerter Form als Ballaststoffanreicherung verschiedenen Produkten zugeführt werden kann. Geschälter Hanfsamen besteht aus einem weichen Kern, der beim Kauen leicht zerfällt. Bei Gebäcken entfalten geschälte Hanfsamen ihr arteigenes, nussartiges, herb würziges Aroma und runden den Gesamtgeschmack ab.

Der Lebensmittelbereich hat überdurchschnittliche Wachstumsraten in der Verwendung mit Hanf zu verzeichnen. Die Ausweitung des Marktes hängt vor allem von geeigneten Marketingaktivitäten ab, die qualitative Eignung von Hanfsamen bzw. -öl steht außer Frage.

Hanfpapier zeichnet sich durch seine höhere Reiß-, Zug- und Nassfestigkeit aus. Die Produkte sind vor allem Spezialpapiere wie z.B. Banknoten und Zigarettenpapier. 

Vor etwa 2000 Jahren wurde Hanfpapier von den Chinesen erfunden. Damals waren Hanftextilien die wichtigste Quelle für das Papier. Bis 1883 wurden zwischen 75 bis 90 Prozent des weltweit produzierten Papiers aus Hanffasern hergestellt. Hanf war der Grundstoff von Büchern, Bibeln, Landkarten, Papiergeld, Wertpapieren und Zeitungen.

Nach dem 2. Weltkrieg wurde die Papierproduktion aus Holz immer billiger und das Hanfpapier wurde immer mehr vom Papier aus Holz abgelöst.

Heute ist der Marktanteil der Papierproduktion am Hanffasermarkt 70- 80 Prozent. Trotzdem kann man fast nirgendwo Schreibpapier aus Hanf im Laden kaufen. Der Grund ist dieser: Nur ein kleiner Anteil der Hanffasern für den Zellstoffbereich wird frei gehandelt, der größte Teil fließt in integrierte Prozessketten vom Rohstoff bis zum Endprodukt. Die so entstehenden Spezialzellstoffe werden zu Zigarettenpapier, Banknoten, technischen Filtern und Hygieneprodukten verarbeitet.

Nur wenige Hölzer haben einen höheren Zellulosegehalt als Hanf (beispielsweise Buchen- oder Fichtenholz). Hanfpapier hält sehr lange und ist auch im feuchten Zustand vergleichsweise reißfest. Bei der Herstellung ist der Einsatz von Chemikalien, aufgrund des sehr geringen Gehaltes von Lignin, geringer als bei der Holzpapierproduktion. Hanf liefert als einjährige Pflanze auf derselben Fläche nicht nur 4-5-mal so viel Papier wie Wald, wegen der hohen Reißfestigkeit der Hanffaser kann dieses Papier auch öfter recycelt werden als Holzpapier.

Trotz aller Vorzüge hat Hanf an der Gesamtpapierproduktion einen verschwindend geringen Anteil. Der Grund ist der zurzeit noch deutlich höhere Preis von Hanf im Vergleich zu z.B. Fichtenholz. Die Preislücke wird sich aber durch ein wachsendes Umweltbewusstsein der Konsumenten und technische Fortschritte bei der Papierproduktion in den nächsten Jahren kontinuierlich schließen.

Etwas Biologie

Hanf gehört zu der Familie der Cannabiceae (Hanfgewächse) und ist der nächste Verwandte des Hopfens (lat. Humulus lupulus). Dieser gehört zur Ordnung Urticales (Bäume, Sträucher, verholzte und krautige Kletterpflanzen).

Die Pflanze produziert sogenannte Cannabinoide, welche für die psychoaktiven Wirkungen verantwortlich gemacht werden. Von den heute bekannten 65 Vertretern dieser Stoffgruppe sind THC (Tetrahydrocannabinol) und CBD (Cannabidiol) in Hanfpflanzen am stärksten konzentriert.

Hanf ist eine einjährige Pflanze, welche sich mit der Hilfe von Wind bestäubt. Von Natur aus ist sie diözisch, d.h. sie wächst als weiblich oder männlich heran. Die weibliche Pflanze ist meist größer und hat einen höheren THC und CBD Gehalt, sie trägt nach der Befruchtung auch den Samen.

Hanfanbau

• Gedeiht in nahezu allen Regionen, beste Erträge in Gebieten mit gemäßigtem Klima und viel Wasser

• Wächst schnell und bereits nach 100 Tagen mit bis zu 4 Metern Höhe erntereif

• Anspruchslos hinsichtlich der Bodenzusammensetzung

• natürliche Widerstandsfähigkeit gegen fast jeden Krankheitsbefall

• dank seiner “Abwehrstoffe” THC und CBD vor Schädlingsbefall bestens geschützt

• die Pflanze ist bis zu 100% wirtschaftlich verwertbar, hier unterscheidet man in Samen, Fasern, Schäben und Blättern

HANF in der GEschichte

Hanf war über sechs Jahrtausende der ökonomisch wichtige Lieferant für Fasern, Nahrungsmittel und Medizin. Er wurde in fast allen europäischen und asiatischen Ländern angebaut und stellte eine wichtige Rolle in der Herstellung von Seilen, Segeltuch, Bekleidungstextilien, Papier und Ölprodukten dar. Die ersten Schriften gehen auf ein rund 4700 Jahre altes chinesisches Lehrbuch über Botanik und Heilkunst zurück.

Das älteste erhaltene Hanftextil wird auf ca. 1.000 v. Chr. datiert. Aufgrund der Reiß- und Nassfestigkeit des Rohstoffes wurden im 17. Jahrhundert, der Großteil aller Schiffsegel, Takelwerk, Seile, Netze, Flaggen und Uniformen der Seeleute aus Hanf gefertigt. Bis Mitte des 19. Jahrhundert war es auch, der Rohstoff, für die Papierindustrie, z.B. die amerikanische Verfassung wurde auf Hanfpapier geschrieben.

Gründe für die Verdrängung von Hanf waren unter anderem:

• Rückgang der Schiffer
• Baumwolle, die durch Mechanisierung der Baumwollspinnerei, Weltmarkt beherrschend wurde
• Die Erfindung des Papiers auf Holzbasis
• Anbau Verbote im Zuge der Marihuana-Prohibition

• 1872 Deutschland beschließt Rauschhanf nur in Apotheken zu verkaufen

• 1911/12 “Erste Internationalen Opiumkonferenz” in Den Haag mit dem Ziel „einer drogenfreien Welt“. Im Fokus hierbei Opium, seine Anhänger (Morphin, Codein; Heroin) und Kokain. Auf Antrag Italiens auch Hanf. Aufgrund zu weniger Informationen und Statistiken, wurde dieser aber wieder zurückgezogen.

• 1924/1925: Die Genfer Opiumkonferenz beschließt ein globales Cannabisverbot. Treibende Kraft war hier Ägypten, dort galt das Verboten bereits und man wollte so die illegale Einfuhr stoppen.

• 1929 beschloss der deutsche Reichstag ein neues Opiumgesetz, das erstmals auch Cannabisbesitz unter Strafe stellte. Seit diesem Tag ist berauschender Hanf in Deutschland verboten. Mit Vorlage eines ärztlichen Rezeptes, jedoch weiterhin in Apotheken erhältlich. Durch neue chemische Stoffe verschwand diese Verwendung von Hanf als Medizin aber nach dem zweiten Weltkrieg.

• die Studentenrevolte der Zeit um 1968 brachte Hanf wieder auf die deutsche Tagesordnung. Als Reaktion auf den Cannabiskonsum der meist jungen Revoluzzer überarbeitete der deutsche Bundestag das bestehende Opiumgesetz und verabschiedete im Dezember 1971 eine geänderte Fassung, die Cannabis und einige andere Drogen vollständig verbot. Gleich mit verboten wurde dabei die Verwendung der ältesten Kulturpflanze des Menschen – Hanf. Zum 1. Januar 1982 schließlich trat eine Änderung des BtMG in Kraft, die auch den Anbau von Hanf unter Strafe stellte.

• Erst in den 90ern kam durch die Zulassung von Faserhanfpflanzen mit einem Wirkstoffgehalt von unter 0,3% wieder Bewegung in die gesetzliche Lage. Seit 1996 wird auch in Deutschland wieder legal Hanf angebaut. Die Anbauflächen wachsen kontinuierlich.

• Erst seit wenigen Jahren brechen diese prohibitiven Strukturen auf und entscheidende Länder rekultivieren und rehabilitieren die Hanfpflanze. Dazu Zählen 29 Staaten der USA, Kanada, Uruguay, Israel, die Niederlande, Schweiz und auch Deutschland. Weitere Länder werden folgen.

• Seit März 2017 sind die deutschen Krankenkassen per Gesetz zur Kostenübernahme von medizinal Hanf für Schmerzpatienten verpflichtet.

Hanf als Genussmittel

Der Gebrauch von Cannabis als Genussmittel gehört zu den ältesten Rauscherfahrungen der Menschheit. Trotz des nahezu weltweiten Verbots seit Mitte des letzten Jahrhunderts, ist es ist das mit Abstand, am häufigsten konsumierte Rauschmittel. Die Generation unserer Großeltern besaß ein wertvolles Wissen um Wirkung und Nebenwirkung von Cannabis. Dies ist die beste Vorbeugung gegen Missbrauch und Sucht.

Die berauschende Wirkung von Cannabis beruht auf dem Wirkstoff Tetrahydrocannabinol (THC). Meist wird Cannabis geraucht, die Wirkung setzt bereits nach ca. 5- 10 Minuten ein und hält je nach Dosis zwei bis vier Stunden an. Cannabis kann aber auch gegessen bzw. getrunken werden. So wirkt es erst nach 40- 60 Minuten, dabei kann es bis zu 10 Stunden anhalten.

Cannabis wirkt euphorisierend und kann in hohen Dosen Halluzinationen auslösen. Konsumenten berichten von einer Verstärkung von Sinneseindrücken und Empfindungen, während Leistungs- und Konkurrenzdruck an Bedeutung verlieren. Das Zeitgefühl ist unter dem Einfluss der Droge verändert, oft scheint die Zeit langsamer zu vergehen.

Diese erklären sich überwiegend aus den akuten Wirkungen der Cannabinoide und klingen mit dem Ende des Rauschzustandes schnell ab.

In der Medizin werden diese Effekte für die Therapie genutzt. Nebenwirkungen sind: gerötete Augen (gesenkter Augeninnendruck), erhöhtes Hungergefühl, Konzentrationsschwierigkeiten, Verschlechterung des Kurzzeitgedächtnisses-Vergesslichkeit, leichte motorische Störungen, Schlafstörungen, Reizüberflutung. Unter Umständen kann es zu so genannten “toxischen Psychosen” kommen. Diese äußern sich z.B. in Gefühlen wie, die Wirkung hört nie wieder auf, alle sprechen über mich, gucken mich an; oft begleitet von Angstzuständen. Auch die Konsumform spielt bei der Risikobewertung eine Rolle, so steht z.B. das Rauchen von Cannabis im Verdacht krebserregend zu sein.

Abhängigkeit: Es sind nur geringe Gewöhnungseffekte und organische Auswirkungen bekannt. Anders als bei vielen anderen Rauschmitteln, ist der Konsumverzicht, deshalb auch nicht von nennenswerten Entzugssymptomen begleitet. Eine körperliche Abhängigkeit vom Wirkstoff THC, existiert nicht. Allerdings geht man heute davon aus, dass bei Konsumenten zu einer psychischen Abhängigkeit kommen kann. Das Risiko einer Abhängigkeit ist umso größer, je früher der erste Konsum erfolgte.

Überdosis – Die Toxizität von Cannabis ist im Vergleich mit anderen Rauschmitteln äußerst gering. Eine letale (tödliche) Dosierung wurde zwar aus dem Tierversuch errechnet, ist aber praktisch nicht zu erreichen.

Viele der “Gefahren” die angeblich von Cannabis ausgehen, erwiesen sich bei wissenschaftlicher Überprüfung als Propagandalügen. So gilt Cannabis heute nicht mehr als Einstiegsdroge und es führt nicht zu Unfruchtbarkeit.

Hinweis: Bei unerwünschten Nebenwirkungen konsultieren Sie bitte eine Suchtberatung Einrichtung in Ihrer Nähe!

ws-hc unterstützt den breiten Diskurs zur Rekultivierung der Hanfpflanze. In diesem Zuge fördern wir den 
Deutschen Hanfverband
 (DHV). www.hanfverband.de